Prüm & Wein

Die Mosel

Aufgrund geologischer und klimatischer Besonderheiten eignet sich die Mittelmosel trotz ihrer sehr nördlichen Lage in besonderem Maße für säurebetonte, fruchtige Weine. Der Schiefer erlaubt dabei einen für das Wachstum der Trauben besonders förderlichen Wasserhaushalt und die südlichen Steillagen erfahren eine besonders intensive Sonneneinstrahlung. Der Fluß sorgt für eine Wärmeregulierung. So kommen mit die größten Weine Deutschlands heute aus dem Gebiet zwischen Leiwen und Ürzig.

 

Spätestens die Römer erkannten das Potential der Region und führten in großem Maße den Weinanbau in das Moselgebiet ein. Der von den Römern übernommene Weinbau wird nach Einzug der Franken zusehends von der Kirche übernommen. Seit dem 7ten Jahrhundert zeugen viele Urkunden von kirchlichem Weinbau in der Region Bernkastel-Traben.

 

Wehlens Weinberge, dem Stift St. Kunibert in Köln zugeteilt, werden schon 873 erwähnt. 1020 besitzt die Trier Abtei St. Maxim zu Graach Weingüter. St. Maxim treibt dabei durch einen Freibrief von Otto I. begünstigt, einen schwunghaften Weinhandel. Zeltingen und Rachtig sollen der Sage nach dem Kölner Erzbistum durch den heiligen Kunibert geschenkt worden sein.

Im Gefolge der Klöster kommen die Herren, der Ministerialadel. Die Familie von der Leyen, die einige Erzbischöfe stellt, findet nach Graach und Erden, die Familie von Orley nach Wehlen, die Sponheimer als Pfandherren nach Zeltingen, die Deutschherren nach Rachtig, die von Kesselstatt nach Lösnich usw.

 

Bald werden einige Weine sagenberühmt. So soll der (dann so benannte) Berncastler Doctor den Erzbischof Boemund II. von Saarbrücken (1354-1362) 1360 von einer schlimmen Krankheit geheilt haben.

 

Das milde Regiment der Trier Kurfürsten, das seit Balduin der territorialen Zerrissenheit ritterlicher Herrschaft und wohl auch Unterdrückung an der Mosel ein Ende machte, ist besonders nach den Katastrophen des Dreißigjährigen Krieges und der französischen Raubkriege des 17. und 18. Jahrhunderts auch auf Hebung des Weinbaus bedacht. Über kurfürstliche Verordnungen wurde Bau der Reben wie Bereitung und Verkauf des Weins geregelt.

 

1787 weist der letzte Kurfürst Clemens Wenzelaus durch Verordnung die Winzer an, "schlechte" durch "gute" Reben zu ersetzen. Damit gibt er den entscheidenden Anstoß für Qualitätsanbau an der Mosel.

 

Die Besteuerung aus den Weinbergen erzielten Einkommens bemißt sich nach fünf Generalklassen, die wieder in drei Wingertsklassen unterteilt werden. Je weniger Stöcke auf ein Fuder Wein, desto besser der Reinertrag (36 Reichstaler das Fuder) und desto höher die Steuer. Dabei läßt sich zwischen diesem System und dem in Bordeaux praktizierten System der Qualifikationen der "crus" durchaus eine Parallele ziehen.

 

An der Mosel gehörte allein Wehlen zur ersten Steuerklasse. Zeltingen und Graach wie Erden und Lösnich gehörten zur dritten Klasse.

 

An der Mosel wird zunächst Roter Kleinberger angebaut. Später kommen Weißer Kleinberger, Ruhländer und Österreicher hinzu. 1841 wird in Wehlen und an manchen anderen Orten noch roter Wein verzeichnet. Im 19ten Jahrhundert tritt der Riesling, Abkömmling des Salerners, entgültig an die Stelle der bescheidenen Kleinberger.

 

Alteingessene Weingutbesitzer entwickeln immer mehr Ehrgeiz, den Wein ansprechend auszubauen. Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts schnellen auch in Zusammenhang mit der Gründerzeit nach 1871 die Preise immer mehr in die Höhe, der Moselwein steht am Zenit seines Ansehens. Für ihn wird ein Vielfaches wie für Bordeauxweine gezahlt.

 

1910 schließen sich die drei Versteigerungsvereinigungen der kirchlichen Güter, der privaten an der Saar und der privaten an der Mosel zum Großen Versteigerungsring zusammen.

 

1847 wird in Château d´Yquem die Edelfäule entdeckt, die der Trockenbeerenauslese zugrundeliegt. 1921 wird diese erstmals an Saar und Mosel gelesen. 1949 wurde unbeabsichtigt der erste Eiswein des Gutes Joh. Jos. Prüm gelesen: S.A. Prüm und sein Kellermeister wunderten sich über die unerwartete Mostgewichthöhe des abgepressten Fuders.

 

Der Abstieg des Moselweins beginnt mit den Kriegen, die den Gütern wirtschaftlich sehr zusetzen. 1954 werden die Lagebezeichnungen Wehlener Sonnenuhr und Zeltinger Sonnenuhr auf 40 ha um ein Vielfaches ausgedehnt. Das Weinlagegesetz von 1971 schreibt vor, daß eine Einzellage mindestens 5 ha umfassen muß.

 

Nach dem Glykolskandel Mitte der achtziger Jahre war der Ruf des Moselweins entgültig ramponiert. Seit einigen Jahren erfährt die Mosel wieder eine Renaissance. Sie gilt heute neben dem Rheingau als das bedeutendste deutsche Anbaugebiet.